Samstag, 8. April 2017

Buchrenzension: Den Mund voll ungesagter Dinge


Den Mund voll ungesagter Dinge

Autor: Anne Freytag
Verlag: heyne>fliegt
Seitenanzahl: 400
Preis: 14,99 
Neue Stadt, neue Familie, keine Freunde. So könnte man Sophies Leben gerade beschreiben. Nachdem ihr Vater seine neue Liebe gefunden hat, ziehen Sophie und ihr Vater gemeinsam von Hamburg nach München zu ihrer neuen Familie. Alex findet die ganze Situation total blöd und versteht dieses ganze Drama um Liebe nicht. Klar gab es da ein paar Jungen. Aber Liebe? Nein. Bis sie auf das Nachbarsmädchen Alex trifft. Nach einem Kuss fühlt Sophie Dinge, die sie vorher noch nie gefühlt hat. Aber sie ist doch nicht lesbisch nur weil sie den Kuss genossen hat. Oder? 
 Wow. Ich muss zugeben, dass ich mich auf das Buch mit am meisten in diesem Jahr gefreut habe. Nachdem ich das Buch jetzt gelesen habe, muss ich sagen: ,, Mehr davon!" 
Mehr von Anne Freytag, mehr Homosexualität in Young Adult und gerne auch mehr von Sophie und Alex. 

Wie immer beginne ich mit den Charakteren, die mir mal wieder besonders gut gefallen haben. 
Zum einen waren sie super realistisch und zum anderen waren sie nicht in jeder Situation sympathisch. 

Besonders Sophie war mir sympathisch, weil sie sich einfach wie eine 17-jährige verhalten hat. Sie war launisch, frech und dann wieder freundlich. 
Ein weiterer positiver Grund ist zum Beispiel, dass man die beiden Protagonisten begleiten kann, wie sie herausfinden, dass sie auf das gleiche Geschlecht stehen und wie sie beide damit umgehen. Denn oft fragt sich Sophie (das Buch wird aus ihrer Sicht erzählt), ob sie überhaupt lesbisch ist und ob sie sich in Alex verliebt hat. 


Auch andere Themen werden angesprochen. Da Sophie sich an ihre neue Familie erstmal gewöhnen muss, bringt das auch einige Streitereien mit sich. Unter anderem bekommt man nicht nur mit, wie es ihr selber damit geht, sondern auch wie die anderen Familienmitglieder damit klar kommen. 

Sophie hat einen besten Freund, Lukas, der wegen seiner Freundin nach Frankreich gezogen ist. Man kann das ganze als freundschaftliche Fernbeziehung sehen und somit ist das auch nicht ganz einfach für die beiden. 
Auch meine Vorstellung von einem Coming-Out gegenüber den Eltern habe ich mir anders vorgestellt. Ich hatte ein Bild im Kopf, wie Sophie sich mit ihren Eltern an einen Tisch setzt und die Karten auf den Tisch legt. Doch so war es nicht. Es war ungeplant und ich glaube für so etwas gibt es keinen perfekten Moment. Es passiert einfach. So wie das Verlieben. 

An dieser Stelle möchte ich einfach mal Anne Freytag loben und ihr dafür danken, dass sie endlich einmal als Autorin dieses Thema in einem ihrer Bücher angesprochen hat, denn Homosexualität kann, meiner Meinung nach, öfter in Büchern angesprochen werden. Vor allem im Jugendbuch-Bereich. 
Außerdem hat Anne einen unglaublich guten Schreibstil, der dich einfach in den Bann zieht. Man merkte beim Lesen wie viel Zeit und Gefühl sie in dieses Buch gesteckt hat. Besonders die Zitate haben mir hier gefallen. 
Mein Liebstes ist : ,, Ich glaube nicht, dass ich Alex liebe, weil sie ein Mädchen ist, aber ich liebe doch, dass sie eins ist." (Seite 339)
Der Inhalt hat mir super gefallen, aber auch das Buch an sich. Das Cover ist ein Hingucker und auch die Innengestaltung kann sich sehen lassen. Jeder Kapitelanfang ist wunderschön. 

Bevor ich mich nun verabschiede, will ich euch das Buch nochmal ans Herz legen. Wer eine Geschichte lesen will, die wie aus dem echten Leben gegriffen ist , ist bei dem Buch genau richtig. Große Empfehlung! 

Macht´s gut!